Willkommen im Computer Museum. Vergiss alles über Windows, iOS oder Android


So oder so ähnlich waren die Anfänge bei den meisten von uns, die damals in den 80´er Jahren erstmals mit dem Computer und seinen diversen Ablegern Bekanntschaft gemacht haben. Bei mir fing alles im zarten Alter von 14 Jahren an.

An meiner Schule, dem Theodor-Heuss Gymnasium in Essen-Kettwig, gab es einen ehemaligen Sanitätsraum. In diesen Raum sah ich immer wieder Mitschüler aus der Oberstufe verschwinden, schnell die Türe hinter sich schließend. Dennoch entging mir nicht, daß da irgendein elektronisches Gerät stand, man konnte den gelb leuchtenden Monitor sehen und ein paar Zeichen darauf. Das war absolut spannend und ich trieb mich in der Pause immer öfter in der Nähe des Sanitätsraum rum. Irgendwann war die Gelegenheit günstig und ich bin mit einem anderen Schüler hineingehuscht. Sofort ertönte ein "Was will der denn hier drin, der hat hier nix zu suchen". Ein anderer war weniger schroff und stimmte den anderen um, mich doch zuschauen zu lassen. ich solle aber nicht nerven. Mann, ich hab mich extrem klein gemacht um nur niemanden im Weg zu sein. Hier wollte ich unbedingt dabeisein.  Da stand ein grauer Kasten auf dem Tisch, ähnlich einer Schreibmaschine. Darüber dann der Monitor mit dem gelben Leuchten. Es piepte hier und da und jemand tippte auf die Tasten ein. Daraus resultierte wieder ein Piepen und dann kamen plötzlich ganz viele Zeichen auf dem Bildschirm, es hörte überhaupt nicht mehr auf. Das war einfach toll, ehrlich.

 

Der graue Kasten war ein waschechter Apple II, den unsere Schule damals auf  Wunsch eines neuen Physik- und Mathematik-lehrers angeschafft hatte. Der hatte das neue Medium eingeführt, natürlich für seine Oberstufe und den jeweiligen Leistungskurs. nachdem ich nun mitbekommen hatte, worum es hier ging, wollte ich natürlich mehr sehen, mehr erleben. Dafür war ich aber noch nicht alt genug. Naja, alt genug vielleicht, aber nicht in der richtigen Klassenstufe. Bislang behalf ich mir indem ich mit einem mir bekannten Schüler in den Raum ging. Das war auf die Dauer aber nicht korrekt. Außerdem war ich dann ja immer nur Zuschauer und ich wollte mehr. Nun wirkte ich schon damals sehr groß und erwachsen :-) und hab mich nie viel um die Privatsspähre der Lehrer gekümmert. Ich ging oft in das Lehrerzimmer, nicht zuletzt um unsere einkassierten Tennisbälle wieder herauszuholen, mit denen wir in der Pause Fußball spielten. Diesmal ging es aber nicht um Tennisbälle, es ging um etwas weitaus besseres. Also wartete ich ab, bis der Lehrer in seine Pause gehen wollte. Ich hab ihm reichlich Honig um´s Maul geschmiert und ihm erzählt, wie gerne ich denn dabei wäre. Lästige Zwischenfragen versuchte ich geschickt zu umgehen. Jedenfalls wollte er es sich überlegen. Die nächsten Tage lauerte ich ihm immer wieder auf, bis er endlich nachgab. Mit seiner Unterschrift und einem Schüler aus der höheren Stufe als Mentor kam ich endlich in den Raum, wann ich wollte. Dazu mußte ich nur im Sekretariat den Schlüssel abholen. Am Anfang hat man mich noch kontrolliert, doch da ich jeden Tag kam, entfielen die Fragen und man reichte mir den Schlüssel einfach über die Theke. Jede freie Pause verbrachte ich von da an im Computerraum. Aber auch das war nicht genug. Ich brauchte einen längeren Zugang, so wie die Oberstufenschüler, die auch nach der Schule Zeit dort verbrachten.

Ich arbeitete auch an meinem Verhältnis zum Hausmeister. Der war aber meist ein Brummbär und nicht immer kooperativ.  er hatte aber auch noch einen sehr netten Kollegent, den ich schneller weichklopfte. Von da an konnte ich auch für eine Stunde oder länger nach dem Unterricht in den Raum. Aber auch das war auch nicht genug. Ich "arbeitete" zunächst noch ohne Sicherungsmedium. Meine Tippereien beschränkten sich auf einfache Programmzeilen, wie sie oben zu lesen sind. Aber je mehr ich Zeit mit dem Rechner verbrachte, desto mehr lernte ich. Der Apple II hatte eine hochauflösende Grafik. Mit dieser konnte man schon ein wenig spielen. Über HGR kam man in den Grafikmodus. Mit kurzen Basiclistings konnte man diese Grafikseite programmieren und so erzeugte man mit einfachen Mitteln Linien am Monitor. Diese konnte man dann verbinden und quasi zeichnen. Punktgenau ließen sich diese Linien programmieren.  Schaltete man den Rechner dann aber ab, war alles weg.  Das änderte sich mit dem Tag, als ein weiterer Kasten sich zum Apple gesellte. Apple Disk stand da drauf. Eine kleine Box mit einer schwarzen Klappe. Wozu die gut war, erfuhr ich schnell. Schwarze Scheiben wurden dort hineingesteckt und dann tippte man PR#6 ein. Dann piepte und ratterte es kurz, ein schleifendes Geräusch war zu hören und plötzlich erschienen Texte und sogar Bilder auf dem Monitor. Kurz darauf waren Begriffe wie FID und Copyprogramme wichtig. Mit diesen Tools konnte man die Programme auf die Diskette übertragen und dauerhaft speichern. So etwas wolte ich natürlich auch haben. War aber teuer :-) So kostete damals eine 5.25 Zoll Floppydisk von Verbatim noch 12 Mark. ziemlich viel Geld für mich damals. Aber was soll´s ? Ich bestellte also ganze 2 Stück. Damit allein konnte man noch nicht viel anfangen. Meine Programmierkenntnisse waren nahe Null und die Programme der anderen wurden streng gehütet. Keiner gab etwas heraus. Aber ich lernte schon mal den Umgang mit den Disketten, also formatieren und einfache Programme abspeichern.Irgendwann würde sich schon mal eine Gelegenheit ergeben.....

Dann kam eines Tages genau diese eine Gelegenheit, die meinen Horizont schlagartig erweiterte. Irgendjemand war so unvorsichtig gewesen und hatte seine Disketten unbeaufsichtig liegengelassen. Tja, ich wäre nicht der Hacky, wenn ich die nicht sofort kopiert hätte :-) Mit FID, meinem ersten einfachen Kopierprogramm, hatte ich im Handumdrehen meine zwei Disketten randvoll mit neuer Software. Naja, im Handumdrehen ging das auch nicht. Das dauerte damals schon eine ganze Weile, waren ja immerhin 140 Kilobyte pro Seite drauf........ und ich hab immer ängstlich zur Tür geschaut :-) Mit den kopierten Programmen, darunter so scharfe Sachen wie Snack Attack, Mars Cars und bessere Kopierprogramme, war ich der King. Das hatten nicht viele und ich war nicht so zickig wie andere. Ich war gerne bereit zu teilen. Dadurch bekam ich wiederum Programme von denen. Swappen nannte man das damals. Mit den neuen Programmen verbrachte man auch mehr Zeit am Rechner. Zusammen mit meinem Freund Christian S. verbrachte ich Stunde um Stunde im Computerraum. Morgens der erste, noch bevor die Schule richtig losging, war ich schon im Sekretariat um den Schlüssel zu holen. Samstag, wenn alles nach Hause rannte, gingen wir an den Computer. Bis der Hausmeister uns rausschmiss, weil er endlich Feierabend haben wollte :-) In der Woche ging es schon mal so bis 21 Uhr. Mein Fahrrad hatte ich in der Pausenhalle stehen. Die Eltern von Christian und mir waren ein wenig über diese Aktivitäten beunruhigt. Aber das legte sich. Später kam sogar ein zweiter Apple und ein Drucker hinzu. Der zweite Apple hatte aber noch kein Diskettenlaufwerk und Programme wurden mühsam über ein vom Physikleistungskurs gebautes Interface übertragen. Was da hinten rauskam waren quietschende und nervige Geräusche. Aber wenn man die richtigen Eingaben machte, so z.B. ein BSAVE und ein BLOAD mit noch so ein paar Zahlen und Buchstaben, dann kamen die Daten tatsächlich auf dem anderen Rechner an. Man mußte häppchenweise die Haupt- und Unterprogramme übertragen, dann in den Maschinensprache Monitor (Kennt den noch jemand heute ?) gehen und die richtige Sprungadresse eingegeben - Voilá - Snack Attack (eine Art Pac Man) auf zwei Rechnern !!! Es war eine herrliche Zeit angebrochen.

Ein Bekannter von uns erfuhr zufällig über meine Aktivitäten an der Schule und erzählte mir, daß seine Firma einen Apple II gekauft hatte. Die hatten  aber so gut wie keine Programme dafür.  Wenn ich wollte, dann könnte ich den ja mal für ein Wochenende haben und den Rechner dann mit Software füttern. OH MANN !! KLAR !! Die Aussicht, einen Apple ganz für mich zu haben, für ein ganzes Wochenende, war überwältigend. Und tatsächlich, ich bekam einen ziemlichen Koffer gebracht, darin ein kompletter Apple II mit Monitor, Diskettenlaufwerken und Drucker. Da ich den Rechner nur für ein Wochenende hatte, mußte das natürlich ausgenutzt werden. Christian und ich haben da etliche Stunden dran gehockt. Aber Ich hab dann sogar noch nachts im Dunkeln an der Kiste gespielt. So wie heute auch noch :-) Mein Programmreservoir erhöhte sich stetig und als ich mit 15 dann zusammen mit einem Schulkollegen für 3 Wochen nach England fuhr, hab ich sogar dort einen Computershop-Besitzer verblüfft. Ich hatte mitlerweile einen eigenen Computer, einen C=64 mit Datasette. Ein Diskettenlaufwerk war damals noch sehr teuer. Der C=64 kostete so rund 600 Mark (vorher sogar über 1000) und nochmal soviel für den Floppydrive 1541. Das Geld hatte ich (noch) nicht.

Als ich 1983 mit einem Schulfreund in England, genauer in Pensance, Urlaub machte und einen kleinen Computerladen entdeckte, machte ich dem Inhaber ein Angebot. Ich sagte ihm, ich könne ihn mit Programmen versorgen, die er noch nicht hatte :-) Ich ließ sie mir einfach nach England nachschicken. Ich sprach nicht über Geld dafür. Ich hab ihm gesagt, er soll mir einfach leere Disketten dafür geben. Er war sprachlos über das großzügige Angebot (würde ich heute so nicht mehr machen können). Aber ich hatte etwas bestimmtes im Auge... Er hatte nämlich neben dem Apple, Sinclair Spectrum und dem BBC Micro noch einen C=64 im Laden. Dazu auch Programme. Darauf war ich scharf. Aber die konnte ich ja nicht dort kopieren. Aber ich konnte etwas anderes. Ich manipulierte einfach den Joystick, der an dem Computer angeschlossen war. Das Resulat war, daß der C=64 beim Einschalten wirre Zeichen auf dem Bildschirm ausgab. Man konnte keine vernünftige Eingabe machen, also auch kein Programm einladen. Es war recht einfach, der Joystick hatte einen Dauerfeuerknopf und einer der Joy-Ports am C64  wurde auch zur Steuerung von Interfaces genutzt. Schloß man einen Joystick dort an und schaltete ihn auf Dauerfeuer, dann legte der 64er sofort los und hörte nicht auf, auch nicht nach einem Reset o.ä. Das wußte der Mann offenbar nicht und meinte, der Rechner sei wohl defekt - ohhhhh, schade..... Und ich hätte ihm doch soooo gerne was abgekauft. Dann sagte der Verkäufer, der mir mittlerweile restlos vertraute,  den richtigen Satz: "Tja, da hilft es wohl nix,   da mußt du die Programme wohl woanders ausprobieren". Sprach´s und packte die Spiele in eine Plastiktüte. In den Kaufhäusern standen meist irgendwo Computer rum, da könnte ich die ja ausprobieren. Genau das hatte ich vor. Aber vorher noch ein paar Leerkassetten gekauft. Dann den richtigen Laden mit einer Computerecke ausfindig gemacht. Ich fragte den Verkäuer in der Abteilung, ob ich denn wohl hier Programme knacken könnte. Er grinste mich breit an und meinte nur "Try if you can" Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Ziemlich schnell merkten die anderen Computer-Kids was da abging. Ich lud die Software mittels Datasette ein. Dann versuchte ich ein Listing zu bekommen. Wenn das nicht klappte, dann machte ich einen Reset, gab einen Pokebefehl ein und konnte die Anfangsadresse des Programmes, sowie das Programm selbst wieder aufrufen. Denn das Programm war auch nach einem Reset noch vollständig im Speicher. Man mußte nur die Adresse wiederherstellen. Kam dann plötzlich bei Eingabe von LIST eine Zeilennummer mit SYS 8192 oder ähnlichem heraus, dann machte man anschießend ein SAVE und legte eine leere Cassette ein. Dann RECORD + PLAY und los ging es. Langes Warten.... Das Abspeichern von Programmen konnte schon mal echt lange dauern (eines meiner Lieblingsprogramme brauchte fast 20 Minuten zum Laden !!!).  Nach dem Speichern sofort zurückspulen, den Rechner aus- und wieder einschalten, LOAD eintippen und PLAY drücken. Dann wieder warten..... FOUND kam dann plötzlich. Das wurde mit der C= Taste bestätigt. Dann wurde wieder weitergeladen und gewartet. Plötzlich kam dann ein READY. Jetzt nur noch RUN eintippen und ------- BINGO !!!! Manic Miner lief.

                                         (Screenshot aus dem Spiel)                                                                    (Original-Cover der Datenkassette)

              

Ich hörte plötzlich Johlen und Klatschen hinter mir. Da standen eine Menge junger Leute hinter mir und schauten ergriffen zu :-) Ein kleiner Junge zupfte mich am Ärmel und meinte mit einem Lächeln  "You´re a naughty boy". Der Verkäufer lächelte auch ein wenig, schmiss uns dann aber auch irgendwann raus. Aber vorher hatte ich reichlich Software abgespeichert. Die Tapes brachte ich dann zum kleinen Computershop wieder zurück und kaufte ihm auch eines der Games ab. Das war ich ihm irgendwie schuldig. So waren alle Beteiligten zufrieden.

In Essen gab es in jedem größeren Kaufhaus Computerabteilungen. Da traf man sich dann Nachmittags, tipperte Programme ein, probierte neue Rechner aus, ärgerte die Verkäufer (Listings wie "Du bist doof" über den Bildschirm laufen lassen und mittels Pokes die Tastaur sperren...). Hatte jemand neue Software, dann wurde die vor Ort kopiert. Wurde man hier rausgeschmissen, ging man eben dort hin. Spät am Nachmittag fuhr  man dann glücklich mit dem Bus wieder nach Hause zurück. Das war eine herrliche Zeit.

So nach und nach wuchs das allgemeine Interesse am Computer und durch eine Stiftung wurde an unserer Schule ein neuer Computerraum eingerichtet. Wirkte ein wenig wie eine Bank. Teppichboden, Aktenschränke, reihenweise Computer (keine Ahnung mehr welche, aber die mochte ich überhaupt nicht) und ein echter Großrechner - für damalige Verhältnisse. Uns wurde eine DEC Rainbow 100+ geliefert. Schon ein echtes Monster, wurde meist hochkant mit einem Standfuß betrieben. Auf dem Tisch standen dann nur die Tastatur und der Monitor.

  (Eine DEC Digital Equipment Rainbow 100)

Der Kumpel, mit dem ich in England war, hatte so einen Rechner zu Hause. Sein Vater war Mathematik und Informatik Professor.
Doch man ließ uns nicht an den Rechner ran. Hoher Besuch stand in´s Haus. Jürgen Möllemann, Minister für Bildung und Wissenschaft,  sollte vorbeikommen und sich unseren modernen Computerraum und die fortschrittliche Schule ansehen. Da waren wir plötzlich ausgesperrt. So ein pickeliger Macker aus der Oberstufe hat alles geblockt und sich wichtig gemacht. Na, dem haben wir eins ausgewischt :-) Für meinen Kumpel Stefan war der Rechner ja bekannt, für die anderen noch brandneu. Der Rechner konnte mittels Tastatur-Geheimgriff gesperrt werden. Man mußte tatsächlich 10 Tasten gleichzeitig drücken und der Rechner, bzw. die Tastatur ließ keine Eingaben mehr zu, auch wenn man den Rechner neu startete. Führte man den richtigen "Affengriff" aus, ging wieder alles normal. Tja, das war die richtige Revanche.
Als der Lehrer nun an´s Gerät gehen wollte, ging nichts mehr. Der versuchte alles mögliche, kam aber nicht auf die richtige
Idee. Der Schüler, der uns die kalte Schulter zeigte, geriet merklich in´s Schwitzen, als der Lehrer ihn dafür verantwortlich
machte. Schließlich sei er ja zuletzt am Rechner gewesen und überhaupt für alles verantwortlich. Und das so knapp bevor der
hohe Besuch kommen sollte. Wir haben uns natürlich rechtzeitig eingeschaltet und angeboten, den Rechner wieder flottzumachen.
Ich hab noch ein bischen mit den Leuten geredet und in der Zwischenzeit hat Stefan die Tastatur wieder freigeschaltet. Alle
waren erleichtert und uns klopfte man auf die Schulter. Dennoch durften wir nicht bei der großen Präsentation mit Häppchen und
Sekt dabei sein :-(   der Rechner verfügte über zwei Prozessoren. Einem Intel 8088 und ein Z80, was es erlaubte, MS-DOS und CP-M laufen zu lassen. Taktrate war 4 Mhz und 128KB RAM onboard, die bis zu 896 KB erweiterbar waren. Wichtig auch die 80-Zeichen-darstellung, die für Datenbank und Tabllenkalkulation gebraucht wurde (LOTUS und DBAse).
Mit dieser DEC Rainbow 100+ und einem Modem sind wir damals sogar an die Daten von einem Krankenhaus gekommen.
Damals war noch nicht soviel von Datenklau, Hackerangriffen, Firewall etc. zu hören. Der Vorfall wurde bekanntgemacht und die
waren ziemlich erleichtert. Ansonsten hab ich mich aus der Hackerszene rausgehalten. Wir hatten unsere Modems am C=64 und
gingen mit 300 Baud auf die Reise. Mailboxen wurden nach und nach überall im Land eröffnet und man tauschte Texte und Programme über die Telefonleitung aus. Internet war noch weit weg. Alles war rein textorientiert. Protokolle wie ZModem, YModem etc. waren gefragt., heute eher TCP/IP.

Mittlerweile hatte man den C=64 mit Floppydrives, Speed-DOS, Eprombrenner, selbstgebrannten Erweiterungskarten und Drucker aufgerüstet, da kam der AMIGA in´s Spiel. Eigentlich wörtlich, denn spielerisch geht man an diese Dinge immer zuerst ran. Auf dem C=64 hatte es auch seine Zeit gedauert, bis man anfing außer Jumpman, Space Taxi oder Bruce Lee Adventure auch sinnvolle Anwendungen zu machen. Darunter z.B. Kurvendiskussion. Elendig lange Listings wurden eingetippt und Christian und ich verbrachten abwechselnd die Zeit an der Brotkasten-Tastatur, damit man nicht total verkrampfte. Mit dem AMIGA kam frischer Wind in die Szene. Höhere Grafikauflösungen und besserer Sound sollten auch bessere Spiele hervorbringen. Man durfte gespannt sein. Leider sind die Erwartungen am Anfang zu hoch gewesen. Gute Spiele vom C=64 wurden mies umgesetzt und man spielte dann doch lieber die Originale. Laufend kamen neue Demos von Szenemitgliedern raus, die zeigten, was man mit dem AMIGA alles machen konnte. Es dauerte lange, bis diese Szene-Leute dann als Spieleprogrammierer eingesetzt wurden. Aber dann ging es richtig los. Softwarehäuser wie Cinemaware und Blue Byte brachten fantastische Titel heraus. Grafikadventures wurden echte Leckerbissen. Auch die Jump´n Run Programme wurden besser. Allerdings irgendwann wurde es nervig. Jeder kopierte von jedem, die Spieleideen gingen ein wenig aus. Nur wenige hatten sich mit Konzepten wie Populos oder Siedler den Grundstein für spätere Erfolge gelegt. Bald aber wurde auch klar, das viel mehr Potenzial in dem AMIGA steckte, als nur Spiele. Richtige Anwendungsprogramme waren rar. Textverarbeitung war meist angesagt, die konnte man immer gebrauchen. Dann kamen GRafikprogramme hinzu, mit denen man schon richtig gut malen konnte. Besser Malprogramme ließen die ersten Retuschen zu. Allerdings konnte man die nur an selbstgemalten Bildern, oder importierten Grafiken machen. Fotoretuschen wie heute waren schwierig, weil man die Bilder nicht in den Computer bekam. Aber auch hier machte man Fortschritte und ich kaufte auf einer Messe in Köln meinen ersten 16 Graustufen Handscanner. Damit konnte man immerin schon Grafiken einlesen, Texte erfassen (grausame Texterkennung) und sogar fotos einscannen. Allerdings mit 16 Graustufen war da nicht viel zu holen. Der nächste Scanner mit 256 Graustufen war da schon viel feiner, kostete aber auch ein Vermögen. Dazu gesellte sich dann ein DIGI-VIEW, ein Videodigitizer, der die ankommenden Signale einer Kamera in RGB umsetzen konnte. Dazu brauchte es eine s/w Kamera mit einem Farbrad. Man scannte damit die drei Farben ROT, GRÜN und BLAU. Der Rechner setzte dann die einzelnen Farbauszüge zu einem gesamten Farbbild zusammen. Diese Ausrüstung kostete wieder ein Vermögen. Die Kamera über 600 DM, der Digitizer 180, ein Adapter für vorhandene CANON FD-Objektive nochmals 60 DM. Da kam was zusammen. Aber es machte viel Spaß.

Dies ist der Inhalt des Digi-View Pakets: Der Digitizer (weiß), ein Gender-Changer, das Farbrad mit der Distanzstange sowie die Software.

 

Aus Standbildern wurden dann die ersten Animationen. Man konnte schon kleine Filmchen damit machen, wenn man über genügend RAM verfügte :-) Eine Speichererweiterung mit 2 MB kostete damals rund 650 DM. Aber mit 7 MHz. war alles ein wenig lahm und als die ersten Turbokarten mit höheren Taktraten jenseit der 10 MHz erschienen, da wollte man natürlich auch dabei sein. Über 1200 DM waren dafür fällig. Immer bessere Auflösungen brauchten mehr Speicherplatz, also mußte eine Festplatte her, da ging es ebenso zur Sache. Meine erste Festplatte mit 20 MB (durch eine RLL Formatierung auf knapp 40 MB gepuscht) kostete mich 700 DM und das war ein Schnäppchen. Die Platte lag normalerweise beim zweifachen Preis. Aber irgendwie war die jemanden vom Laster gefallen und ich hab nicht weiter nachgehakt. Als kleines Geschenk hab ich vom Verkäufer noch eine BASF 8 Zoll Flexydisk  bekommen. Die hab ich heute noch unter Glas. 

            8 Zoll sind ca. 20,3 Zentimeter

Hier unten im Bild sieht man einige AMIGA-Modelle aufgebaut. Von unten nach oben AMIGA 500 mit Trumpcard und CD-ROM, dann AMIGA 600 mit eingebauter 120 MB HD, der AMIGA 2000 B mit 1 MB Chipmem, 2630 Turbokarte, 4 MB Turbo-RAM und 8 MB Ram-Erweiterung und eine 24-Bit Framebuffercard, mit der man fantastische GRafiken in 2 Bit machen konnte. Das mitgelieferte Grafikprogramm war so gut wie heute das bekannte Photoshop. Die Karte kostete rund 1500 DM und meine Mutter hat mir damals was dazugegeben, damit ich die kaufen konnte - DANKE MAMA !!!  Zuletzt der AMIGA 4000/060 mit Cyberstorm MK-III 68060 CPU mit 50 MHz Takt, 128 MB RAM, sowie 2 SCSI-Festplatten, Doppelfloppy und CD-Brenner. Darüber hinaus ist in diesen Rechner noch eine VLab-Motion Videoschnittkarte, eine V-Motion Framegrabbercard, eine Toccata Sounddigitizerkarte und zuletzt noch eine CyberVision Grafikarte eingebaut. Alles zusammen hatte locker einen Wert von  8.000 DM. Könnte auch ein wenig mehr gewesen sein :-) Eingebaut war alles vormalig in einem großen Towergehäuse, das allein schon wieder 600 DM kostete. Irgendwas hat mich dann dazu getrieben, alles wieder in das originale Desktopgehäuse einzubauen. Da könnte man schon Platzangst bekommen..... Wer den Rechner mal so einfach hochheben will, der  erlebt ein kleines Wunder :-)

Ein hochgezüchteter Amiga 4000 war schon etwas, womit sich was machen ließ. Das fanden auch einige Leute in der Filmbranche
heraus, die den Rechner in den 90´ern für Poduktionen wie Star Trek, Seaquest DSV und Babylon 5 einsetzten. Die Firma Newtek,
die ja auch den oben erwähnten Digitizer gebaut hatte, produzierte einen Toaster für den Amiga. Eine Art
Hardware/Software-Erweiterung, mit der sich Animationen schneller berechnen ließen und die Bilder mit Video gemischt werden
konnten (Genlockfunktion für Keying oder auch Blue Box). Als Software wurde Lightwave eingesetzt. Der Amiga war von jeher eine
echte Videomaschine. Sein Potenzial war gigantisch und er kostete im Verhältnis zu einer PC-Ausstattung nur einen Bruchteil
davon. Mit meinem Amiga und der Vlab Motion hab ich einen 25 minütigen Film komplett auf eine 1 GB SCSI-Platte gebracht.
Stereoton inklusive. Die Platte kostete damals 1000 DM. Das Ergebnis war absolut professionel. Als der Film gezeigt wurde,
erregte nicht der Film Aufmerksamkeit, eher die Tatsache, daß eine solche Qualität auf dem Amiga produziert werden konnte.
Viele Firmen, die damals auf dem Amiga Animationssoftware entwickelten, sind auch heute noch im Geschäft. Lightwave, Cinema 4D und Caligari, um nur ein paar zu nennen. Die Stände, die die mit solchen Programmen erstellten Videos präsentierten, waren auf  jeder Amiga-Messe heiß umlagert. Besonders gern gesehen waren die Demo Reels von Tobias Richter (Reflections).

Die späten Siebziger und die 80´er waren für den Computer die Zeit überhaupt. Alles boomte, jeder wollte einen Homecomputer haben. Die Verkaufszahlen waren gigantisch. Leider hatte ich nicht das Geld um in dieses Geschäft einzusteigen. Es wären bestimmt goldene Zeiten gewesen.... Wer sich keine tollen Computer leisten konnte tröstete sich mit so tollen Filmen wie TRON und WAR GAMES, wo es nur so von HighTech Computern wimmelte. Als 1982 TRON von Disney in die Kinos kam, wußte ich, welche Stunde es geschlagen hatte. Die ersten Computeranimierten Szenen in Spielfilmlänge. OK, das war natürlich nicht vergleichbar mit den Filmen von PIXAR heute. Aber die haben alle mal klein angefangen. WAR GAMES hat mich auch beeindruckt, nachhaltig sogar. Bis heute hat mich die Faszination dieses Films nicht verlassen. Für alle nicht-Cineasten. In dem Film WAR GAMES hackt sich ein Schüler versehentlich mit seinem Computer in das militärische Netz der USA. Er gelangt durch eine Hintertüre in ein Unterprogramm, das der Programmierer dort zurückgelassen hat. Dieses Programm  hört auf den Namen Joshua und steuert einen Rechner, der die Bezeichnung W.O.P.R. trägt, die Abkürzung für War Operations Plan Response. Seine Aufgabe besteht darin, alle möglichen taktischen Vernichtungsszenarien durchzuspielen. Schach und Tic Tac Toe hat er auch anzubieten, aber Global Thermonuclear World War reizt unseren Hacker eher. Was für den Schüler der reinste Spaß ist, nämlich ein Vernichtungs-szenario zu eröffnen, ist für den Rechner Realität. Da er mit sämtlichen militärischen Einrichtungen vernetzt ist, wird so beinahe der 3. Weltkrieg ausgelöst, als plötzlich die Atom-Raketen in den Silos scharf gemacht werden. Natürlich geht noch alles einmal gut aus und die Message kommt an. Man soll einem Computer nicht die Kontrolle über sein Leben anvertrauen.....wir werden sehen.

Der im Film eingesetzte W.O.P.R. war kein richtiger Computer. Es war lediglich ein Holzmodell mit zahlreichen Lämpchen. Diese und das Display des "Rechners" wurden mit Hilfe eines Apple II im Inneren angesteuert. 

Hingegen war der Rechner des Hackers kein Fake. Er benutzte einen IMSAI 8080, wie hier abgebildet.

Und jetzt kommt´s :-) Ich hab vor den W.O.P.R. nachzubauen. Irgendwann einmal. Aber vorher will ich mir einen IMSAI 8080 zusammenbauen. Ich hab schon mit dem Chef der Firma, die den IMSAI hergestellt hat, Kontakt aufgenommen. Ich hab ihm mal meine Liste an alten Computern gemailt und er fand das ganz beachtlich. Er gratulierte mir zu der Kollektion und fand auch die Präsentation gelungen. Über ihn kann ich an die Vorderfront des Rechners, einschließlich den Schriftzügen herankommen. Die Schalter in den zwei Farben haben es preislich in sich. Kostet die Front nur schlappe 20 Dollar, muß ich für die Schalter rund 200 Dollar hinlegen. Ich versuch noch eine billigere Alternative zu finden, wird aber schwer. Das Gehäuse stellt kein Problem dar. Im Inneren wird dann nicht viel mehr als ein Elektroanschluß eingebaut, der die vielen roten LEDs je nach Schalterstellung mit Strom versorgt. Mehr soll er nicht machen. Als ich dem Herrn Thomas "Todd" Fisher von meinem Vorhaben bezüglich des W.O.P.R. berichtete, fand er das nicht so ungewöhnlich. Er hatte von einem Schweden einen Brief erhalten, der ihn um nähere Auskünfte oder Pläne zum W.O.P.R. bat. An sich hat der Mann nix damit zu tun, aer die Firma AT&T hat einen Werbespot gemacht, in dem einige bekannte Computer und Roboter auftauchen. Er hat einen IMSAI 8080 für den Spot bereitgestellt. Da es den W.O.P.R. nicht mehr gab, hat eine Props-Firma in USA einen nachgebaut

Diesen hätte er sogar haben können, nachdem der Werbespot abgedreht war. Hat er aber abgelehnt !!!! Mann, immer muß ich so was erleben. Ob es sich um einen Container mit einer Ladung alter Videospiele und Flipper handelt, oder eine Carrerabahn mit 30 Autos. Andere schmeißen weg, was ich begehre :-) Warum bietet mir keiner so was an !!! Und dann durfte er auch noch zusammen mit Robbie aus "Forbidden Planet" oder auch "Alarm im weltall" auf ein Bild. UNGERECHTIGKEIT !!!

Ich hab Mr. Fischer angeschrieben und ihn um mehr Infos zum Thema IMSAI und W.O.P.R. gebeten. Darauf kam folgender Brief zurück:

######################################################################################################

Hello Alex-

 I have many good memories of Germany from my days of touring there in the early 1970's with the English Rock band "Uriah Heep".  I especially miss the "shashliks" and zwiebilesuppe from the small kiosks that were open late at night after our performances.

 
You have a very impressive and neatly organized collection of legacy computers and artifacts.  Yours is the second request about information regarding the W.O.P.R. (the other was from Sweden last week).  Perhaps I should stop trying to produce the IMSAI Series Two and instead produce W.O.P.R. kits!  Unfortunately, they would take at least 4 feet x 8 feet of space, and would require some clever choice of activating the LEDs and display, since the originals are long gone.
 
I might have an extra original poster of WarGames, and possibly an extra set of lobby cards that I would be willing to sell.  I will check my archives. 
 
Since I did not provide the W.O.P.R. for the AT&T commercial shoot, I am unable to provide anything more at present.  I could have had the prop at the end of the shoot, but decided that the space to store it was not justified since this was a replica, and not the original (which was scrapped shortly after the original WarGames film).
 
If time permits, I will attempt to track down the firm that built the W.O.P.R. replica to wee if plans still exist.  If they do, I would expect the price to be somewhat high.
 
Best regards,
 
-Thomas "Todd" Fischer
######################################################################################################

Naja, er will mir jedenfalls - falls möglich - die Pläne von der Requisitenfirma besorgen. Die Maße kenne ich schon mal, ungefähr    8 x 4 Fuß, also ca. 2.40m breit und 1.20m tief. Über die Höhe hat er nix gesagt. Aber das muß ja auch nicht 100% genau sein. Ein Blick auf seine Homepage lohnt sich vielleicht auch. Ist ein recht interessanter Mensch, der eigentlich von Hause aus Musiker ist. Er hat mich mit seiner Neigung für Schaschlik und Zwiebelsuppe amüsiert.  Das er dann auch noch mit  Uriah Heep tourte ( HÄ ?  Die von "Lady in Black" ?), unglaublich, was es doch für Zufälle gibt...

Schaut mal auf seine Homepage unter http://www.imsai.net/ nach, da finden sich interessante Dinge. Den AT&T  Werbespot, den ich übrigens recht gut finde, findet ihr bei YOUTUBE unter www.youtube.com/watch?v=IEp6ca9Ppks .

Wie krieg ich jetzt wieder den Bogen ???

Also, ich hab natürlich auch die Entwicklung in der Computertechnologie in allen Stufen miterlebt. Das kann ein Vorteil sein. Der Nachteil ist, man sieht und merkt, wo es heute fehlt. Die Kids, die mit dem Gameboy in der Wiege aufwachsen, dann später mit 6/7 Sportspiele und Egoshooter mit realistischer Grafik spielen, die sind kaum noch zu überraschen. Meine Schritte waren wesentlich kleiner und der Spaß  fing schon mit Taschenrechnern an. Einmal wegen der Schule und anderseits weil es ja schon ein kleiner Computer ist. Christian S. war ziemlich gut ausgestattet und hatte schon einen Taschenrechner mit Speichermöglichkeiten. Darauf konnte man schon richtig programmieren. OK, das war nix dolles, ganz bestimmt nicht, aber es war FANTASTISCH, heute würde man sagen "cool". Ich hab mir den dann mal ab und zu ausgeliehen und selbst ein wenig herumexperimentiert. Irgendwann gab es dann für mich einen Casio FX-702P, daß war schon ein Schlachtschiff.

 

Der hatte immerhin schon über 1600 Programmschritte drin. Leider nur einzelliges Display, aber man konnte richtige Programme schreiben. Interessant war auch die Tatsache, daß man so einen guten Spickzettel hatte :-) in meiner Klasse hatten nur zwei einen so voll programmierbaren Taschenrechner. Für eine Stochastik Mathe-Klausur konnte man den schon mal mit ein paar Formeln ausstatten, nur so als Gedächtnisstütze. Mit dem Kontrastregler an der rechten Seite  regelte ich den Kontrast (wen wundert´s) ganz herunter. So konnte ich mit einem Winkel von ca. 40-45 Grad alles einwandfrei lesen, während der Lehrer, der sich fast senkrecht über mich beugte, nichts sah. Das allein war schon klasse. Während mir also ein Mathelehrer streng über die Schulter schaute, lief vor seinen Augen ein Text ab, der sämtliche Formeln auflistete, die wir für die Arbeit brauchten. Dieser Nervenkitzel war SUPER :-) Mein Klassenkamerad neben mir hatte ebenfalls einen programmierbaren Rechner. Auf die Frage unseres Lehrer "Sie haben da doch nichts eingegeben ?" reichte er ihm seinen Rechner rüber und entgegnete ganz cool "Sie können mir ja ausrechnen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, daß was drin ist". Das war gefährlich frech :-) Aber er ging nicht weiter darauf ein und machte seine Runde - PUH !!

Diese Taschenrechner sind die PDA´s von einst gewesen. Ich hab meinen Rechner noch, leider funktionieren nicht mehr alle Dots auf der Matrix,. aber die Erinnerung steckt noch drin. :-)

Da ich doch mit recht vielen Rechnern gearbeitet habe, fing ich irgendwann an, diese wieder zusammenzutragen um für mich die Geschichte des Computers nachzustellen. Meinen alten C=64 hatte ich abgegeben, aber wie der Zufall es wollte, bekam ich einen von meinem lieben Freund Christian geschenkt. Er hatte seinen damals ein wenig modifiziert und sämtliche Tastaturkabel verlängert. Das war zwar kein "wireless" Keyboard (eher das Gegenteil), aber schon recht pfiffig, wenn man Rechner und Tastatur von einander absetzen wollte. Meinen Amiga 2000 hatte ich ebenfalls abgegeben, weil ich einen Amiga 4000 gekauft hatte. Auch da bekam ich dann wiederum einen angeboten. So nach und nach kamen meine alten Rechner wieder zu mir zurück. Auf Flohmärkten wurde man oft fündig. Das Internet mit Ebay wurde immer attraktiver. Auch dort fand man so einiges. Einer meiner Traumcomputer, allein von der Form her, war und ist der Commodore PET 2001 und seine Nachfolger. Diesen Rechner hatte ich schon lange haben wollen doch leider nirgends gefunden. Auch nicht auf Ebay. irgendwann war ich dann mit einem Kumpel in Gelsenkirchen auf dem großen Flohmarkt. Wir gingen fast regelmäßig samstagmorgens dorthin, sehr früh. Manchmal schon gegen 5-6 Uhr. Wenn das normale Volk kam, hatten wir schon unsere Schnäppchen gesichert. Meist wurden die Sachen von Türken, Russen, Rumänen oder Bulgaren angeboten. Wir gingen extra in Räuberzivil um nicht zu sehr aufzufallen. Ich bin nie rasiert dort gewesen, das ist geradezu geschäftschädigend. Bei einem dieser Besuche in aller Frühe fand ich dann endlich meinen PET 2001. Er steckte im Schlamm, sah nicht gut aus. Nah zähen Verhandlungen kaufte ich den Rechner für 40 DM. Der hat noch ein richtiges Gewicht, zumal der Monitor ja gleich drauf montiert ist :-) Der Weg zum Parkplatz war weit, aber ich war unglaublich glücklich. Noch glücklicher war ich, als ich den Rechner dann in meinem Lager hatte, ihn mit ein bischen Mühe schön sauber bekam und er sogar tadellos funktionierte. Das Display war brilliant, super Kontrast und das nach mehr als 20 Jahren.

Den Nachfolger hab ich ebenfalls bekommen. Von der Form her genau gleich, nur hat er eine andere Tastaur und das eingebaute Kassettengerät fehlt. Dafür kann er neben BASIC auch Maschinensprache und hat ein bischen mehr RAM drin.

Es gibt aber noch PETs, die ich noch nicht habe - siehe unten  :-)

Die haben auch so eine geniale Form. Allerdings eher so was in der Art von Colani , mehr abgerundet und ergonomisch geformt. Falls jemand so einen hat, nicht mehr braucht, einen kennt, der einen hat, der ihn nicht mehr braucht.... so in der Art, klar ??

 

Zu den PETs gesellte sich dann bald noch  ein SX-64 von Commodore. Das war im Prinzip ein tragbarer C=64 mit eingebautem Monitor und Floppy 1541. War damals in verhältnismäßig geringer Stückzahl (9000) gebaut worden und schweineteuer. So um die 3.000 DM.

In der Standardausführung kam der SX64 mit einem Floppydrive, konnte aber auch mit einem 2. Laufwerk gekauft  werden. Dann lautete die Typenbezeichnung DX64. Links der kleine 5" Farbmonitor, rechts eine Klappe mit Zugang für Einstellungen des Monitors (Helligkeit, Kontrast und Lautstärke) und einem Resetknopf. Der kleine Monitor ist natürlich nicht unbedingt zu empfehlen, aber da der SX64 einen externen Monitoranschluß ermöglicht, war es kein Problem. Das Gewicht des kleinen "Henkelmanns" beträgt 10 Kilo. Er war als Konkurrenzprodukt zu tragbaren Computern von Osborne oder auch IBM gedacht. Doch die waren schon mit einem Akku ausgerüstet und wesentlich "handllicher". Der SX64 war eher ein Flopp, dennoch war/ist er unter Sammlern heiß begehrt.  Damals war der SX64 ein Traum, weil er eben alles mitbrachte und man irgendwo (wo Strom war) loslegen konnte.

Von dem Verkäufer des SX64 bekam ich gleich noch einen Dachbodenfund angeboten, den ich für ein paar Euros kaufte.                  Es war ein VIC20, der noch dazu mit einer vollständigen "Karosserie" geliefert wurde.

Äußerlich sieht der VIC20 auch wie der klassische Brotkasten aus. Allerdings gab es noch ein "Kleid" für den Vorläufer des C=64. Dieses Kleid bestand aus einer Art Dockingstation. Man konnte den VIC20 vollständig darin einbetten und hatte hinten einen Anschluß an den Modulport. Im hinteren Teil der Dockingstation konnte man verschiedene Module (Cartridges) unterbringen und ansteuern. War schlichtweg genial, sogar die Datasette fand darin Platz und man konnte die Platte noch als Monitorständer gebrauchen.

So nach und nach bekam ich immer mehr Rechner zusammen. Teilweise geschenkt, teilweise zugekauft. Der eine oder andere hat ausgemistet und war froh seinen ehemaligen Rechner bei mir unterzubringen. Zum Wegschmeißen einfach zu schade, landeten so einige Rechner bei mir. Aber ich nehm nicht alles bei mir auf . Am liebsten sind mir natürlich Exoten, also entweder sehr selten oder einfach nur formschön. Mein Platzangebot ist begrenzt und da sich meine Rechner den Platz mit meinen anderen Hobbies teilen müssen,  wird ab und zu eine Neustrukturierung fällig. Momentan sieht alles ganz prima aus, aber es hat sich schon ein Neuzugang angekündgt, diesmal aus dem Hause ATARI.  Bislang steht bei mir ein Atari 1040 ST, der mit einer Festplatte gekoppelt ist, dem sog. Megafile. Der Atari ist deshalb so interessant gewesen, weil er über einen guten und schnellen Prozessor verfügt, den 68000 von Motorola. Außerdem ist der Atari serienmäßig mit einer Midi-Schnittstelle ausgestattet, was viele Musiker zu nutzen wußten. Die Software Cubase lief auf vielen Rechner, also auch auf meinem :-) Neben dem Monitor steht ein Keyboard, was mit der Midi-Schnittstelle verbuden ist. Ab und zu schmeiß ich die Kiste an, starte Cubase und spiele ein bischen Musik. Dann laß ich es einfach vom Computer wiederholen und ergänze noch hier und da was. Vorn im Bild kann man übrigens die Hülle der 8-Zoll Floppydisk sehen, die ich schon erwähnte.

Bei Atari denkt man natürlich auch sofort an die klassische Atari VCS Spielekonsole, die es zunächst in der edlen Holz-Ausführung gab. (VCS = Video Cartridge System). ATARI ist übrigens Japanisch und heißt "Ich werde gewinnen".

               

Natürlich war das kein Holz, sah aber sehr danach aus. DIese Konsole wurde dann später durch die rein schwarze und weniger ansehnliche Plastik-Version ersetzt. Die Bezeichnung war dann Atari 2600. Den Spaß, den man damals mit diesen Telespielen wie PONG hatte, war unbeschreiblich. Ich weiß noch, in meiner Verwandtschaft hatte auch jemand so ein Telespiel und ich war total davon fasziniert. Bis ich aber selbst so ein TV-Spiel hatte, hat es sehr lange gedauert..... Da war ich schon jenseits der 30 :-) 

In 2006/07 sind bei mir wieder eine Menge Rechner hinzugekommen, ein paar allerdings auch wieder verschwunden. Ich hatte noch drei  Amiga 1000, die leider nicht liefen. ich hab die mal komplett gekauft und versucht, einen davon zum Laufen zu bringen. Vergeblich. Nach langer Standzeit hab ich sie dann wieder verkauft. Aber ich werde mir auf jeden Fall noch einen funktionieren zulegen. Der Schließt dann die Lücke bei den Amigas. Neu hinzugekommen war ein Amiga 2000 komplett bestückt mit Turbokarte und Videoequipment (RGB Mixer, Digitizer u.ä.), ehemals ein Vermögen wert (vielen Dank an die Schweiz).

Von Ralph B. habe ich zu einem Geburtstag noch einen  Oric-1 (8-Bit Technologie) bekommen. Zu meiner Freude noch in der Originalverpackung mit Handbuch und in einem fast unbenutzten Zustand. Der Oric-1 benutzt ebenfalls einen 6502 Prozessor mit der üblichen 1 MHz. Taktung. Es gab Versionen mit 16 bzw. 48 K Ram.

Des weiteren hab ich noch zwei Laptops bekommen, einen davon, das Zenith von Christian S., ist sogar mit eingebautem 2" Floppylaufwerk und einer kleinen Festplatte ausgestattet. Windows 3.11 ist vorinstalliert und man hat so Programme  wie Works drauf. Der andere Rechner ist von Toshiba, leider nicht mehr ganz in Funktion. Dennoch ein schönes Ausstellungsstück.

In Spanien hab ich mir auf einem Flohmarkt noch einen Sinclair Spectrum 128 besorgt, mit einer Unmenge an Tapes. Dazu noch einen klassischen Sinclair ZX-81 mit der Mosgummitastatur. Das ist allerdings nur eine Hülle. Der Rechner fehlt (noch).

Ebenfalls aus Spanien mitgebracht, obwohl eher in Frankreich beheimatet, ist dieses Prachtstück von Alcatel.

 

Das ist so eine Art BTX-Computer. Der wurde einfach an die Telefonleitung angeschlossen und dann konnte man Hotelbuchungen machen, Flugpläne etc. abrufen. Oder sogar ein Spiel spielen. DIe Tastatur kann man hochklappen und den Bildschirm damit schützen. Der BTX-Computer war ein Geschenk von einem Spanier, der auf dem Flohmarkt nahe Benidorm einen Stand hat und - wie ich - alte  Computer sammelt. Durch ihn bin ich auch auf den "Paquito" oder "Bicho Azul" gekommen. Gebräuchlicherweise nennt man ihn aber INTEL DOT STATION

DIe Dot Station ist ein Komplettrechner. In dem Gehäuse, was den Monitor beherbergt, findet auch die Hauptplatine, die Stromversorgung sowie eine Festplatte und ein eingebautes Modem Platz. Die Dot Station läuft auf Linux, mit einem Intel Celeron Prozessor 300 MHz. , 64/128 MB Ram, 10/80 GB Festplatte und hat als besonderes Gimmick eine eingebaute Telefonie. Soll heißen, mit dem mitgeliferten Telefon (rechts im Bild, die GFernbedienung mit dem blaune Pickel) konnte man eine Verbindung aufbauen und mit anderen Teilnehmern sprechen. Das war ein USB Telefon, wie es heute für Skype verwendet wird, nur klobiger. Die Tastatur ist leider nicht die originale, die hat nämlich ein Touchpad wie bei den Laptops. Der Preis des all-in-one Rechners war damals recht hoch und die Verkaufszahlen waren nicht besonders gut. So wurde das Projekt wieder fallengelassen. Immerhin versuchten sich einige Profis an dem Gerät und haben das BIOS geknackt um eine Installation von Windows XP zu ermöglichen. Eine Installation von Windows wurde durch das BIOS unmöglich gemacht. RAM und Festplatte konnte man eh aufrüsten und so konnte man einen recht brauchbaren Rechner daraus machen. Ich hab einen mit 1 GHz. CPU und XP Pro gesehen :-) Meiner ist allerdings unverbastelt. Leider kann ich so mit dem Rechner auch nicht arbeiten, weil der Vorbesitzer noch ein Passwort im BIOS gelassen hat und sich nicht mehr daran erinnern konnte. Somit kann ich nichts verändern, da ich sofort nach meiner Berechtigung gefragt werde. Da bleibt wohl nur eine Neuinstallation von Linus....... Das Gerät wurde oft von Internet Providern verkauft und so ist meine Dot Station von Arcor. 

Von unserem lieben Nachbarn hab ich schon einen C=128I geschenkt bekommen, ein Commodore 128 D fehlte bis vor kurzem  auch noch.  Der C=128 sieht eher schon ein bischen wie ein Amiga 500 aus, der 128´er  ist interessant, weil er mit zwei Prozessoren ausgestattet ist. Dem 6502, der in allen  C=64 Herzen schlägt (ebenso wie in den Apple II/+/e/c) und einem Z80, den wir ja schon aus der DEC Rainbow  100 und dem Sinclair ZX81 kennen. Auf dem C=128 kann man dann in dem normalen 64´er Modus arbeiten, oder in den CP-M Modus umschalten. Daher gehört er natürlich auch in mein Museum :-) Den 128´er gab es dann noch als 128 D (steht direkt darunter). Das D stand nicht für Diesel sondern für Desktop. Der Unterschied zum herkömmlichen 128´er ist das Gehäuse aus Metall und der nun integrierte Floppydrive 1571, voll kompatibel zur 1541.

          

Zur Vervollständigung im Bereich Commodore fehlen mir eigentlich noch eine Menge weiterer Rechner wie der Plus4,C=6 und der C=16  und wie die alle hießen. Davon brachte aber keiner mehr so richtigen Erfolg und sie sind auch nicht so richtig interessant. Es handelte sich lediglich um leicht veränderte oder abgespeckte Versionen des C=64.

      

Commodore hat sich auch auf dem regulären PC Markt versucht. Das hat die Firma viel Geld gekostet und brachte keinen Erfolg. Mit Geräten wie der PC-10/20/30/40 Serie versuchte man 1988 den normalen User zu erreichen, denn der AMIGA galt gemeinhin als Spielemaschine, was er nicht war. Er war viel mehr. Anwendungen im Bereich Bürosoftware gab es allerdings nicht so großartig und da versuchte man nun in einzusteigen, mit einem WIndows kompatiblen Computer, mit einer 16-Bit Architektur und den damals üblichen Eckdaten wie z.B: Intel 8088 (XT) Prozessor (Taktung mit 4,77/ 716 und 9,54 MHz), 640 KB RAM und optionaler 20 MB Festplatte. 

Dafür waren aber schon längst andere, billigere Geräte im Umlauf (XT-und AT-Clones)  und viele AMIGA User sehen das Bestreben des Commodore Managements, im PC Bereich mitzuhalten, als Ende der AMIGA Ära. Anstatt ein wirklich gutes Produkt weiterhin zu verbessern, wurden die Gelder in einen Sektor gepumpt, der nicht Commodores Domäne war. Nach dem die PC-Schiene nicht lief, kam der stückweise Ausverkauf von Commodore und ein ehemals gefürchteter Konkurrent verschwand nach und nach vom Markt. So ein PC 10-III kostete damals übrigens schlappe 1.600-2000 DM.

In der Abteilung Apple Computer habe ich noch vergessen zu erwähnen, daß ich neben dem Apple II+ (Europlus) noch einen Apple IIe sowie die tragbare Version, den Apple IIc und einen Classic Colour Mac besitze. Ein Macintosh GS steht auch noch rum, der ist aber nicht sehr auffällig und war nur ein Mittel zum Zweck. Den hab ich nicht aus Sentimentalitäts- oder Designgründen gekauft. Hier unten im Bild steht der Apple IIc links, der Classic Colour Mac rechts daneben.

So, damit sind wir vorläufig am Ende des Rundgangs. Ich betone vorläufig, weil sich schon ein weiterer Atari, ein Mega ST angekündigt hat. Eventuell noch ein weiterer 1040 ST. Manchmal ist es gut einen Rechner mehrfach zu haben, wegen der Ersatzteile. Den Amiga 500 hab ich gleich dreimal, davon einmal schneeweiß, wie gerade produziert. Arbeiten tue ich aber mit einem gebrauchten, etwas vergilbteren Exemplar. Vom C=64 hab ich auch gleich drei. Einmal unverbastelt, wie aus dem Laden, die anderen sind eher Experimentierkästen :-) Wenn ihr noch was rumstehen habt, oder einen kennt, der was los werden will, dann sagt Bescheid und ich sorge dafür, das die gute Tat an dieser Stelle Erwähnung findet. So arbeitet Ihr aktiv an der Seite mit :-)

Ich möchte noch auf die 8-BIT Nirvana Seite aufmerksam machen. Dort finden sich sehr schön aufgelistet viele Rechner und tolle Informationen zu ihrer Geschichte.

Am 27./28. September findet übrigens die Classic Computing 2008 statt, Diesmal in Moers. Dort findet man reichlich von dem Zeug, was auch so bei mir rumsteht. Um mal einen Eindruck zu vermitteln, hier ein paar Fotos von vor zwei Jahren in Nordhorn.

Danke für Eure Aufmerksamkeit !