Seit etwas mehr als einem Jahr bin ich nun stolzer AIBO Besitzer. AIBO ??? Was ist denn das ??? OK, wer nicht die Rubrik Robotik komplett durchgelesen hat, der hat vielleicht was verpaßt. AIBO ist ein Roboter Hund, der Ende der 90´er Jahre von SONY in den Handel gekommen ist. Verschiedene Modelle mit unterschiedlichem Aussehen und Fähigkeiten sind bis 2005 produziert worden. Danach hat SONY die Produktion leider eingestellt. Aber wie sieht so ein AIBO nun aus und was macht man damit ???

OK, kleine AIBO Kunde :-)

Angefangen hat Sony wohl schon in den frühen 90´ern, allerdings hatte der damalige Protoyp noch 6 Beine und erinnerte eher an ein Insekt. Man entschied sich dann aber doch für eine Hundedesign und stellt 1997 den ersten vierbeinigen "AIBO" vor. Wie ich dem AIBO Lexikon entnehme, hatte dieser Prototyp die Möglichkeit, die Beine gegen Räder zu tauschen (Transformer läßt grüßen ?).

 

Leider hab ich kein Bild vom Prototype (Mutant genannt) der ihn mit Rädern zeigt. Er war schon fast genauso ausgestattet, wie die Serien-Aibos später. Ein 64-Bit RISC Prozessor (unglaublich teuer damals), 8 MB DRAM, eine CCD Farb Videokamera mit einer Auflösung von 180.000 Pixeln, ein Mono Lautsprecher und Stereo-Mikrofon. Mit Akku wog der Mutant dann 1,25 kg. Insgesamt soll es 5 verschiedene Prototypen gegeben haben, bevor dann am 1. Juni 1999 der ERS-110 vorgestellt wurde.

Der ERS-110 wurde innerhalb von 18 Minuten 3000 mal von Japan aus per Internet verkauft, weitere 2000 Modelle innerhalb der nächsten 4 Tage. Der 110 war nur in der Farbe silber erhältlich. Schon am 1.11.1999 kam die zweite Auflage des AIBO heraus, ERS-111 genannt. Für dieses Modell hatte man 135.000 Vorbestellungen, von denen dann 10.000 ausgelost wurden. Den 111 bekam man nun schon in zwei AUsführungen, einmal silber und einmal schwarz-metallic. Äußerlich unterschied er sich nur wenig vom Vorgänger. Der Schwanz war um ein Segment gekürzt worden und die Ohren waren nicht mehr komplett abgerundet.

Technische Unterschiede zum Prototyp:

Gewicht nun 1,6 Kilo, 4 Kopf-LEDs, 16 MB RAM, Pfotensensoren, Kopfsensor, Infrarot Sensor, Beschleunigungssensor und Temperaturfühler. Im Unterschied zum 110 hatte man die Software überarbeitet, so daß der 111 mehr Bewegungen und Sounds vollführen konnte. Insgesamt hat man den 111 ca. 40.000 mal verkauft. Der 111 hat mit dem 110 einen internen Lüfter gemein, der in den folgenden Modellen dann entfiel. Mit dem Akku hat der 111 eine Laufzeit von ca. 1,5 Stunden. Der Schwanz hat zwei Gelenke und dient z.T. als Stütze.

November 2000 wurde die nächste Generation vorgestellt, der ERS-210.

Auf diesem Bild sieht man gleich 2 Vertreter dieses Typs. Der ERS-210 sieht mehr wie eine kleine Katze aus. Das kommt schon durch die kleinen spitzen Ohren. Die interne Bezeichnung des 210 war dann auch "Löwenbaby". Der 210´er unterscheidet sich aber vom 111´er nicht nur durch das Design, sondern auch durch die Technik die in ihm steckt. Das interne RAM ist wieder verdoppelt worden, auf 32 MB. Es sind weitere Sensoren hinzugekommen, wie Rücken- und Kinnsensor, eine WLAN-Karte ist nachrüstbar, mit der man den AIBO dann fernsteuern kann und er hat 7 statt der vorherigen 4 LEDs (dienen zur Anzeige der Stimmung und Programmabläufen). Neben den vielen tollen Neuerungen kam aber auch eine Krankheit beim 210 auf, das DHS. Das ist die Abkürzung für "Droopy Head Syndrom", einem hängendem Kopf, verursacht durch eine defekte Rutschkupplung am Hals. Daher wurden einige 210´er in die AIBO-Klinik eingeliefert.  Der 210´er wurde 2002 durch eine Modellvariante 210A erweitert. Dieses A-Modell hatte eine verbesserte Kopfkonstruktion und war durch eine Verdopplung der Taktfrequenz des RISC Prozessors von 192 auf 384 Mhz. um einiges schneller in der Datenverarbeitung. Man nennt diesen Typ auch Supercore.

Am 16.11.2001  erschien der ERS-220 auf dem Markt, der sich gänzlich von den bisherigen tierähnlichen Designs unterschied. Der Schöpfer des Design war Masaharu Kawamori, der Robotertrickfilme und ich meine auch Comics machte. Sein etwas martialisches Aussehen verpaßte ihm Spitznahmen wie Terminator oder Killerdackel. Für mich sieht er auch so ein bischen aus wie der Roboterhund A.M.E.E. aus dem Film "Red Planet".

Auffallend ist der Kopfsensor und das Fehlen eines Schwanzes. Der Kopfsensor ist eine kleine Feder, mit der man den AIBO loben oder tadeln kann, je nach "Streichelrichtung". In seinem Kopf ist noch eine weiße LED Kopflampe untergebracht und es gibt 10 rot/blaue LEDs zur Anzeige am Kopf und 9 weitere am "Heck". Den 220 gibt es nur in silber. Ansonsten ist er technisch mit dem 210 identisch, hat aber auch eine verbesserte Kopfkonstruktion, also kein DHS. Auch den 220 gab es als Supercore Version 220A mit einer höheren Taktrate.

Hier hat man mal die drei ersten AIBOs zusammen im Bild.

Daneben erschienen noch in 2001 die Modelle ERS-311 und ERS-312, sowie der ERS-31L. Das Design wurde wieder komplett verändert und der AIBO sieht nun einem Teddy sehr ähnlich.

Das hat nichts mehr mit dem "brutalen" Design des 220´er gemein und auffällig sind noch die beiden "Joysticks". Einer Am Kopf und der andere als Schwanz. Der Kontakt am Kopf ist ebenfalls wieder für Belobigungen, der hintere "Stick" hat weitreichendere Funktionen und läßt sich auch kreisförmig bewegen. Den 311´er gab es auch in verschidenen Farben, wobei die dunklere Variante auch ursprünglich einen düsteren, rebellischen Charakter haben soll. Das wurde wohl (Zitat aus dem AIBO-Lexikon) aus Gründen der "political correctness" in USA und Europa hardwaretechnisch geändert. Dann gab es noch den ERS-31L, der zwar inhaltlich identisch mit dem 311´er ist, aber vom Aussehen.....

Sieht schon wieder mehr aus wie ein Hund, wie eine Bulldogge. Es gab auch Modelle der ERS-31x Serie, die mit Bluetooth ausgerüstet waren. Diese waren aber hierzulande noch verboten :-(

Schließlich und endlich kommen wir zum letzten Modell, dem ERS-7, der ab Oktober 2003 zu kaufen war.

Der ERS-7 ist hinsichtlich der Technik ein Riesenschritt gewesen. Neben vielfältig verbesserter Sensorik besaß er eine hochauflösende Kamera mit 350.000 Pixeln, die auch ein laufendes Video mittels eingebauter WLAN-Karte liefert. Unglaubliche Aufnahmen aus Sicht des "Dackels" ergeben sich dadurch. Ich sag jetzt mal Dackel, denn das äußere Design ist dem eines Dackels sehr ähnlich. Verbesserter Ton, verbesserte Servos, mehr Befehle, schnellerer Prozessor und mehr RAM (64 MB). Der 7´er ist für mich der König unter den AIBOS. Das hat natürlich auch alles seinen Preis :-) Der ERS-7 kann über zahlreiche Lämpchen am Kopf und Bewegungen des Kopfes einschließlich Ohren  und Schwanz seine Gemütszustände ausdrücken. Der Mund kann sich öffnen und schließen, wie schon beim 111´er und 210´er. Er kann nicht nur mit Ball spielen, sondern auch mit dem Knochen !!

Der ERS-7 wurde noch in 2004 und 2005 mit einem Software-Upgrade bedacht, der Mind 2 und Mind 3 Stufe. Damit war er dann noch schlauer und besser. Leider wurde aber auch 2005 jegliche Produktion von AIBOS eingestellt. Das ist sehr bedauerlich und es wäre bestimmt noch einiges von Sony zu erwarten gewesen. Der Service für die Aibos wird noch ein paar Jahre weiterhin geführt und es gibt in Deutschland auch eine AIBO-Klinik, wohin man seine defekten "Hündchen" bringen kann, bzw. Ersatzteile bestellen kann. Billig ist das allerdings nicht. Aber wer sich erstmal in einen AIBO verknallt hat, den stört das nicht. Ich hatte mit meinem ERS-220 viel Glück, als ich ihn 2007 von einem Schweizer gekauft habe. Der AIBO war in gutem Zustand und mit dem kompletten Zubehör.

Was macht man nun mit einem AIBO ??? Tja, gute Frage. Man kann ihn programmieren, weshalb ich ihn z.B. gekauft habe. Der AIBO hat einen Slot für die Sony Memory Sticks. Auf diesen Sticks sind dann verschiedene Verzeichnisse für die Musik und die Prgrammabläufe. Programmiert wird u.a. in Open-R. Man kann verschiedene Töne/Musik abspielen lassen, Bewegungen programmieren (auch tanzen lassen). Auf diesen Sticks werden auch die Fotos abgelegt, die der AIBO so während seiner "ON-Phase" schießt. Und man kann sich mit anderen AIBO-Besitzern treffen :-) Das bringt mich wieder zum AIBO-Meeting.

Abschließend sei noch gesagt, es hat nach dem AIBO auch Nachahmer gegeben, z.B.  I-Cybie und nun zuletzt Pleo, eine Art Saurier-Variante des AIBO. Wie der aussieht, das könnt ihr den Fotos vom Aibo-Meeting entnehmen. Also los, schaut schon rein !!